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Michel, Forscher für Internettechnologien und Soziale Medien

Michel Alexandre Salim stammt ursprünglich aus Indonesien und arbeitet derzeit an seiner Doktorarbeit in Deutschland. Der Fokus seiner Forschergruppe konzentriert sich auf Wikis und Software-Entwicklungswerkzeuge. Michel benutzt Fedora seit langem und stellt seine Auswahl der besten Social Media- und Webentwicklungstools vor, die in Fedora benutzt werden können.

Michel Alexandre Salim

Wo lebst du?

Ich bin Indonesier, wurde in Indonesion geboren, habe aber in vielen verschiedenen Ländern gelebt -- Singapur, Grossbritannien, USA. Meine Doktorarbeit mache in nun an einer deutschen Universität.

Was studierst du?

Meine Arbeitsgruppe konzentriert sich auf Wikis und Software-Entwicklungstools. Wir arbeiten daran, eine solidere Entwicklungsgrundlage zu bieten - z.B. Wikis stärker zu strukturieren und programmierbar zu machen und ermöglichen es, die Software-Entwicklungsprozesse einer Organisation in einer Weise zu beschreiben, dass man diese in unterschiedlichen Kontexten leicht wiederverwenden kann. Wir konzentrieren uns auf Linux - bis jetzt meist Debian/ Ubuntu und openSUSE, aber ich freue mich, dass wir nun auch ein Notebook mit Fedora haben.

Was ist dein Spitzname im IRC?

Hircus. Es gibt eine interessante Geschichte dahinter. Ich habe ein sehr geringes Interesse an Astrologie, aber ich wurde zufällig unter den gleichen hellenistisch-römischen und chinesischen Tierkreiszeichen geboren. Steinbock, im Jahr der Ziege."Capra hircus" ist, so glaube ich, der wissenschaftliche Name für Ziegen. Es ist ironisch, dass sowohl in der Astrologie wie auch in all diesen Versen im Evangelium die Menschen sich wie die Schafe unterordnen anstatt wie die Ziegen - obwohl ich persönlich nicht so rebellisch bin :)

Wann hast du mit Fedora angefangen?

In gewisser Weise noch bevor Fedora Extras überhaupt existierte! Ich erfuhr von Linux zum ersten Mal auf einer Computer-Messe in Singapur. Ich hatte damals nicht mal einen eigenen PC, und das war vor der Zeit als es Live-CDs / USB-Sticks gab. Meine ersten Unix/ Linux-Kenntnisse waren somit völlig theoretisch. Aufgrund eines Buches, welches eine Caldera-CD beinhaltete, hatte ich dann 1998 meinen eigenen Computer und ... Schwierigkeiten mit der Grafikkarte, was sich dann regelmäßig wiederholen sollte ... Es war eine Diamond FireGL-Karte. Das erste Linux, welches ich installierte, war RHL .. 5.1 oder 5.2 - vermutlich das Erstere. Und natürlich bootete X in 640x480x16 Farben. Die meiste Zeit benutzte ich SuSE Linux und Debian auf diesem Computer. So war ich mehreren RPM-basierten Distributionen ausgeliefert, wie auch Debian zu dieser Zeit. Um es kurz zu machen: Seit Red Hat 7.x nutze ich meist Red Hat. Irgendwann begann ich backports für bestimmte Pakete aus dem Fedora Rawhide Tree zu machen - Evolution, und ein paar andere. Das war ungefähr zu der Zeit als Warren Togami mit seinem Fedora-Projekt begann und wir ein paar Mal darüber redeten. Dann wurde es zu Fedora Extras und dann wurde der Core/ Extras Split entfernt. Lustigerweise nutze ich ich Evolution gar nicht mehr, da die IMAP-Unterstützung einige Releases vorher nicht mehr funktionierte. Aber ich mochte die Art, wie Evolution das "Virtuelle Ordner"-Konzept revolutionierte, und das war der Fokus, wenn es denn einen Schwerpunkt meiner Fedora Packaging Tätigkeit gibt. Geniale Dinge.

Wann hast du dich zum ersten Mal mit den Themen Internettechnologien und Soziale Medien befasst?

Ich habe diese gewisse Faszination an elektronischen Kommunikationsmedien und in gewisser Weise haben die meisten der frühen Netzwerkkonzepte Ihren Ursprung in Unix (das Web hat auf einer NeXTSTEP-Box angefangen, glaube ich, und das ist auch Unix-ähnlich). Irgendwann habe ich beschlossen, hauptsächlich Linux einzusetzen, es sei denn ich kann mir selber nicht mehr weiterhelfen (meine Windows-Partition ist eigentlich nur zum Flashen des BIOS da und um sicherzustellen, dass ich immer noch bloggen, chatten, usw. könnte, wie ich es normalerweise mache). Zum Glück ist es nun einfacher geworden. Ich neige dazu, altmodisch zu sein, wenn es um Twitter-ähnliche Dienste geht. Ich benutze sie entweder direkt über die Website, verbinde sie über einen anderen Dienst (z.B. Ping.fm, um mehrere Microblogs zu erreichen, HootSuite und um meine Blogs abzufragen und automatisch an Ping.fm weiterzurleiten). Ich verwende auch Befehlszeilen-Tools wie Greg KH ausgezeichnetes BTI (ein Twitter- und identi.ca-Client, der es mir ermöglicht, Beiträge direkt von einer Linux-Eingabeaufforderung, der sogenannten bash, zu senden).

Welche Chat- und Instant-Messaging-Anwendung in Fedora würdest du empfehlen?

Für Instant-Messaging empfehle ich eine Anwendung namens Pidgin. Es gibt ein paar coole Plugins für Pidgin:

  • OTR (off the record), ermöglich einfach zu benutzende durchgehende Verschlüsselung. Ich benutze es mit meiner Schwester, die eine Mac-Anwenderin ist.
  • "Psychic-Mode", der wirklich genial ist. Auf einigen Chat-Netzwerken, werden Sie benachrichtigt, wenn jemand mit einer Nachricht an Sie zu schreiben beginnt. Die meisten Chat-Anwendungen nutzen diese Funktionalität nicht. Aber Pidgin schon - so kannst du die andere Person, die immer noch am tippen ist, überraschen, indem du schnell ein "Ja?" schreibst :) (Der beliebte Mac-Client Adium basiert auf dem Pidgin-Backend libpurple - es ist schön, dass es hier Plattform-überschreitende Unterstützung dafür gibt.)
  • Es gibt ein Musik-Plugin, das deinen Status mit dem Titel des im Rhythmbox Audioplayer gespielten Songs anzeigt. Die Open Source Last.fm-Anwendung Vagalume kann Pidgins Status ebenfalls aktualisieren.

Pidgin besitzt auch einen annehmbaren IRC-Client.

Welche Blogging-Software empfiehlst du zur Nutzung mit Fedora?

Um zu bloggen verwendete ich Drivel - was LiveJournal, Wordpress und andere Blogsysteme unterstützt - aber leider wird dies nicht mehr upstream gepflegt. Allerdings funktioniert das Browser-basierte ScribeFire wirklich gut, und läuft nun neben Firefox auch unter Chrome. Es unterstützt so ziemlich jede Blog-Plattform, die du aufzählen kannst.

Würdest du bei einem Linux-Neuling, der soziale Web-Anwendungen wie Facebook, Twitter, Myspace und dergleichen intensiv nutzt, erwarten, dass er auf irgendwelche Probleme stösst, wenn er diese in Fedora ausführt, oder wird es ganz schlicht und einfach funktionieren?

Linux Anwender können miteinander Videogespräche führen (auf Linux-Desktops wie auch auf mobilen Geräten, wie z.B. der Maemo-basierten Nokia-N-Serie). Aber die Kompatibilität mit Windows-/ Mac-Google Talk Benutzern kann ein bisschen problematisch sein. Pidgin stürzte zuweilen ab, wenn ein GTalk-Benutzer das Videogespräch initiierte, unter 32-Bit-Linux kein Problem. Unter 64-Fedora ist die Anleitung, um Flash zum Laufen zu kriegen - es tut mir leid, dies sagen zu müssen - etwas komplizierter. Wir haben die dazu notwendigen Schritte ziemlich gut dokumentiert - und ich glaube, dass Firefox die Benutzer auf die Adobe Site umleitet, aber leider ist es nicht so automatisiert wie bei Windows/ Mac (die Flash Download-Seite kann ziemlich kryptisch sein, wenn du nicht weisst, was RPM- und Deb-Dateien sind).

Mit Webseiten, die kein Flash nutzen, gibt es keine Probleme, oder? Werden Web 2.0/ Ajax-Seiten korrekt geladen?

AJAX funktioniert gut. - Ich habe kürzlich erst bei einem Social-Networking-Tool erlebt, das es unter Linux nicht funktionierte - das Firefox-Plugin von Delicious.com. Delicious ist ein Social Bookmarking Dienst. Sie können Ihre Lesezeichen auch auf "privat" setzen, was nützlich ist, wenn du mehrere unterschiedliche Browsertypen einsetzt und du nicht auf die vom Hersteller bereitgestellten Tools zurückgreifen kannst. Ein aktuelles Update versagte die Linux-Unterstützung - Man konnte es zwar installieren, aber die Lesezeichen-Liste blieb leer - und die Entwickler gaben zu, dass sie dies nicht unter Linux getestet hatten! Ältere Versionen funktionierten weiterhin und innerhalb ein paar Wochen wurde das Problem dann behoben.

Eine wirklich coole Sache bei einer führenden Distribution wie Fedora ist, dass man selbst bei stabilen Versionen neue Funktionalitäten kurz nach deren Ankündigung erhält. Fedora 14 wird beispielsweise den neuen WebM Codec beinhalten. Ich glaube YouTube kodiert alle neuen HD-Videos damit wie auch mit H.264.

Was ist mit Entwicklern, die interessiert an der Web-Entwicklung mit Fedora sind? Wie kann ein Web-Entwickler von Fedora profitieren?

Fedora ist wahrscheinlich eine der besten Entwicklungsplattformen, dank der Virtualisierungs-Technologien, die darin zur Verfügung stehen. Red Hat führt die KVM-Entwicklung an und Oracles VirtualBox (hauptsächlich Open-Source, abgesehen von einigen USB-Treibern und der 3D-Unterstützung) ist ebenfalls verfügbar, allerdings nur für freigegebene, stabile Versionen. Wenn du daher alle deine Tests auf einer einzigen Maschine durchführen möchtest, ist Fedora wahrscheinlich eine wirklich gute Wahl. KVM ist die einzige Virtualisierungslösung, die ich kenne, die einwandfreie Unterstützung für BSD Gast-Installationen bietet und Richard WM Jones (ein Red Hat-Mitarbeiter) arbeitet an einem wirklich coolen Projekt namens guestfish, dass vom Host-Betriebssystem aus direkt auf Guest-Images zugreifen lässt.

Also mit guestfish braucht man noch nicht mehr den Gast zu starten um die Dateien darin zu lesen? Man kann es wie ein reguläres Dateisystem einbinden?

Es sei dir freigestellt, ob du diese Funktion nutzt, aber ich glaube, es kann sogar LVM-Medien mounten und Teile des Disk-Image mit einem Hex-Editor bearbeiten, usw.

Wie sieht es aus mit der Verfügbarkeit von Entwicklerplattformen bei Fedora? Gibt es Ruby on Rails oder ähnliches? Welche Anwendungen gibt es für Entwickler?

Ich glaube wir haben Ruby on Rails und die besser bekannten Python-basierten Plattformen (Turbogears, Django, etc.).

Betreffend Code-Bearbeitung bin ich nicht auf einen einzelnen Editor fixiert. Ich denke, für die Entwicklung im Bereich Sozialer Medien hängt es davon ab, welche Grundstruktur du für die gesamte Plattform einsetzt. Bei Java kannst du Eclipse oder Netbeans verwenden (beide haben wir in unseren Paketquellen). Wenn du jedoch zusätzliche Features installieren möchtest, ist unser Netbeans-Paket vermutlich einfacher zu nutzen und wenn du Eclipse anpassen möchtest, empfehle ich den direkten Download von eclipse.org. Für Python schlage ich Eclipse, Netbeans vor (beide haben gute Python-Unterstützung) oder - meinen Favoriten - ipython auf der Konsole, zusammen mit Emacs zum Bearbeiten des Sourcecode - ipython ist eine erweiterte Python-Interpreter-Schnittstelle mit Syntax-Hervorhebung, Code-Vervollständigung, usw. Man darf auch gedit nicht vergessen. Unser Standard-GNOME-Desktop verwendet eine gemeinsame Bibliothek für Syntax-Hervorhebung, somit erhalten gedit, Anjuta (GNOME IDE) und andere Anwendungen alle Unterstützung für die gleichen Sprachen. Wir stellen eine C #-ähnliche Sprache zur Verfügung, Vala, die von einigen unserer wichtigsten Desktop-Anwendungen (z.B. dem Shotwell Foto-Editor oder dem Pino Microblogging-Client) verwendet wird. Es gibt ein wirklich gutes gedit-Plugin von den Shotwell-Entwicklern, um gedit in eine Vala IDE (mit Code-Vervollständigung, usw.) zu verwandeln. Genannt wird es Valencia und es wird derzeit geprüft, womit es dann in Fedora 13 und Fedora 14 enthalten sein sollte.

Wenn du den ultimativen Rechner zur Webentwicklung für Fedora zusammenstellen müsstest, hätte dieser wahrscheinlich viele Möglichkeiten. Was würdest du bezüglich Framework zu Webentwicklung verwenden?

Ich arbeite teilweise mit Django-artigen Plattformen, bei denen man die verschiedenen Komponenten nicht wirklich kennen muss - sie sollen einfach nur ihre Arbeit verrichten. Also würde ich sagen: Django für Python. Wenn man etwas Skalierbareres haben möchte, ist das Play Framework für Java/ Scala echt cool. Beides kann man auch mit Googles App Engine implementieren, so dass man freies Hosting seiner Web-Applikation bekommt (App Engine hat zwei Backends, die Python-Version ist ein leicht modifiziertes Django und mit der Java-Version kann man grundsätzlich sein eigenes Framework benutzen, mit einigen Einschränkungen). Das Schöne am Play Framework ist, dass es das erste Java-basierte Framework ist, dass genau wie Python/ Ruby on Rails arbeitet. Sie brauchen die Kompilierungsschritte auch nicht manuell auszuführen. Es erkennt automatisch geänderten Code.

Bezüglich einer IDE bin ich ein Netbeans und Eclipse Fan. Wenn du ein J2EE Entwickler bist, funktioniert Netbeans einfach mit deinem Ant- und Maven-Projekt - und man kann sogar die Konfigurationsdateien in Netbeans bearbeiten.

Funktioniert Netbeans und Eclipse mit Django?

Netbeans hat gute Unterstützung für Python, klar. Normalerweise startet man Django einfach von der Kommandozeile und es entdeckt automatisch wenn etwas am Code geändert wurde. Somit braucht man nicht seinen Entwicklungsserver neu zu starten.

Wie empfiehlst du einem Webentwickler, Fedora für die Zusammenarbeit zu nutzen?

Für Zusammenarbeit hängt es von den Umständen ab. Eemail ist vermutlich immer noch die beste Option. Bei der Arbeit verwenden wir für dje Versionskontrolle Git und wir richten einen sogenannten "post-commit-hook" ein, um Mail-Benachrichtigungen an die Entwickler in diesem Projekt zu senden. Und wenn es irgendein Problem mit einem bestimmten Code-Beitrag gibt, können wir einen separaten Thread erstellen.

Gibt es sonst noch etwas, dass du den Fedora Nutzern und potentiellen Fedora Nutzern sagen möchtest?

Ein freundlicher Rat, von einem der selber ein schlechtes Urteilsvermögen hat, wenn es um das Auswählen von Grafikkarten geht: Sei vorsichtig, wenn du einen neuen Laptop aussuchst :) Teste, falls möglich, das Gerät mit einer Live-CD direkt im Laden oder auf dem Laptop eines Freundes, um sicherzustellen, dass die 3D-Unterstützung ordnungsgemäß funktioniert.

Danke Michel!

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